Atmen und Eisbäder: Mit der Wim Hof-Methode den Körper und Geist stärken

MiriamAllgemein, Biohacking, Wissen10 Comments

Wim Hof

Rückblick: Donnerstag, 09. November, ca 18:24 Uhr, im Auto, irgendwo im stockenden Feierabendverkehr in Frankfurt am Main. Ich musste so doll lachen, dass ich Tränen in den Augen hatte und kaum Luft bekam – und das während ich am Steuer saß. Was der Auslöser war? Die folgende Aussage meines Freundes Dominique:

Du weißt schon, dass mir mit dieser Aussage jeder Richter gleich zustimmt, dass du unzurechnungsfähig bist!?!

Warum ich bei dieser Aussage lachen musste? Wäre sie nicht eher abschreckend? Nein. Denn du musst wissen, dass ich ihm kurz vorher erzählt hatte, dass ich den ganzen Vormittag im Büro so doll gefroren hatte, dass ich meine dicke Strickjacke überziehen musste. Naja, wenn man bedenkt, dass es der zweite Aufbautag nach meiner 12-tägigen Fastenkur war und ich nicht gefrühstückt hatte, nicht unbedingt verwunderlich. Im Vergleich dazu hatte mein Freund allen Grund, durchgefroren zu sein – schließlich arbeitet er auf einer offenen Baustelle. Also an dem Tag bei ca 5 Grad Höchsttemperatur, grau und zugig.

Aber das allein war nicht der Grund für den Spruch. Denn nachdem ich ihm erzählt hatte, dass mir vormittags so kalt war, hab ich ihm gesagt, dass ich kurz vor Feierabend erfahren habe, dass ich über Facebook dank Maximilian Gotzler von Flowgrade die Teilnahme an einem Wim Hof-Workshop in Berlin gewonnen hatte. Ist ja erstmal toll. Vielleicht hast du den Namen schon einmal gehört? Wenn nicht: Kurz gesagt steht der Name des Niederländers Wim Hof für die Kombination aus Atem- und Mediationstechniken mit Eisbädern. Da setzen sich also leicht Verrückte – so wie ich – freiwillig in eine Wanne mit Eiswürfeln. Und das auch bei den aktuell herrschenden, winterlichen Temperaturen. Und jetzt ergibt der Spruch einen Sinn, oder? Irgendwie hat mein Schatz ja Recht, und irgendwie auch wieder nicht. Denn zum einen will ich mit dem Workshop – und den regelmäßigen kalten Bädern meinen Körper trainieren, mehr Energie zu produzieren, und das Immunsystem zu stärken. Hierüber und die anderen Vorteile gibts weiter unten dann mehr.

Samstag, 11.11.2017, 04:45 Uhr

Der Wecker klingelt. Schon unter der Woche ist diese Uhrzeit undenkbar für mich, und dann auf einem Samstag?! Jaja, bin mal wieder in meinem verrückten Modus. Denn schon um 05:15 Uhr verlasse ich das Haus Richtung S-Bahn, die mich zum Frankfurter Hauptbahnhof bringt. Und nicht etwa, um mich zum Auftakt der 5. Jahreszeit in meine Geburtsstadt Köln bringen soll. Nein. Es geht nach Berlin. Denn da wartet von 11-17 Uhr der Wim Hof-Workshop auf mich, den ich vorgestern gewonnen hab. Und im Anschluss geht’s dann direkt wieder retour nach Frankfurt.

Mittlerweile ist es 9 Uhr, ich sitze im ICE von Hannover nach Berlin Gesundbrunnen. Den ersten Abschnitt der Fahrt von Frankfurt nach Hannover hab ich genutzt, noch ein bisschen zu dösen, einen wundervollen Podcast zu hören und zu meditieren. Dann hab ich angefangen, diesen Beitrag zu schreiben. Mein Ziel ist es, dass du heute Abend sowohl die Informationen zur Wim Hof-Methode also auch den Erfahrungsbericht ganz frisch bekommst. Ich werde mein Bestes geben!

Wer ist Wim Hof, The Iceman?

Der Niederländer Wim Hof (geboren 1959) seit seiner Jugendzeit barfuß durch Schnee und hat seinen Körper darauf trainiert, mit Kälte und Atmung das Optimum seiner Leistungsfähigkeit zu erreichen. Und das ist schon beachtlich. Auf seiner Homepage icemanwimhof.com steht, dass er unter anderem 21 Guiness Rekorde hält und folgendes erreicht hat:

  • Guiness Rekord für 1 Stunde 52 Minuten im Eiswasser sitzen, bei vollem Hautkontakt zum Eis
  • Einen Marathon nur mit Sandalen und Shorts bekleidet über dem nördlichen Polarkreis laufen
  • Einen Halbmarathon barfuß und nur in Shorts bekleidet über den nördlichen Polarkreis laufen
  • Offiziell 66 Meter und Eis schwamm, inoffiziell 120m unter Eis mit nur einem Atemzug
  • Bei Free Climbing an nur einem Finger hängend in einer Höhe von 2000m
  • Die höchsten Berge der Welt nur in Short bekleidet bestiegen hat
  • Einen Wärmtest mit konstanter Körpertemperatur gemacht hat
  • Einen Marathon durch die Wüste Namib lief, ohne Wasser zu trinken.

Nun könnte man ja meinen, dass geschriebene Worte geduldig sind und im Internet viel zu lesen ist, was nicht unbedingt stimmen muss. Aber für diese Aktionen gibt es Unmengen an Zeugen! Und das Unglaubliche ist: Wim Hof ist überzeugt davon, dass das, was er leistet, von jedem erreicht werden kann. Daher bringen er und seine zertifizierten Instruktoren Interessierten wie mir seine Methode bei.

Die Wim Hof Atemmethode

Ich hatte schon öfter mal von Wim Hof und seiner Atemtechnik gehört, aber das erste Mal richtig in Kontakt bin ich damit auf dem FlowFest2017 in Berlin gekommen. Dort stellte Kasper van der Meulen, ebenfalls Niederländer und Head Instructor an der Wim Hof Academy, die Technik in einem kurzen Workshop vor. Sehr beeindruckend, selbst in der kurzen Zeit!

Innerfire, so nennt Wim Hof seine Atemtechnik, sorgt dafür, dass der gesamte Körper in kurzer Zeit mit Sauerstoff geflutet wird. Sie ist ähnlich dem Feueratmen aus dem Kundalini Yoga und dem Poweratmen, und doch anders. Er selbst bezeichnet es als „kontrolliertes Hyperventilieren“. Was ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich ist. Zeichnet sich doch Hyperventilation durch unkontrolliertes, viel zu schnelles Atmen aus. Aber es lässt sich relativ leicht lernen!

Warnhinweis!
Bitte führe die beschriebene Atemübung nur in einer sicheren Umgebung durch. Das heißt auf der Couch oder dem Boden sitzend. Du darfst sie NICHT machen, während oder kurz vor dem Fahren dem Fahren, Tauchen, Schwimmen oder anderen Aktivitäten, bei es gefährlich wäre, wenn du das Bewusstsein verlierst. Die Atemübung hat einen schnellen und starken Effekt auf deinen Körper und Geist und sollte nur nach der folgenden Anleitung durchgeführt werden!

  1. Mach es dir bequem
    Nimm eine einfache Meditationshaltung ein, was auch immer bequem für dich ist. Stelle sicher, dass du deine Lungen vollständig entfalten kannst, ohne dich irgendwie eingeengt zu fühlen, z. B. durch einen Gürtel. Es ist empfehlenswerte, diese Übung direkt nach dem Aufstehen zu machen, da zu dem Zeitpunkt dein Magen noch leer ist. Oder vor einer Mahlzeit.
  2. 30 Poweratemzüge
    Stell dir vor, du willst einen Luftballon aufpusten. Hierzu atmest du durch die Nase ein, und durch den Mund aus, in kurzen, kraftvollen Schüben. Behalte einen zügigen,gleichmäßigen Rhythmus bei  ohne dich zu hetzen und nutze deine Körpermitte vollständig. Schließe die Augen und wiederhole für 30 Atemzüge. Es kann sein, dass sich dein Kopf etwas leicht anfühlt, es irgendwo im Körper kribbelig wird. Das ist normal, der Körper merkt den verstärkten Zufluss von Sauerstoff.
  3. Halte den Atem, nachdem du vollständig ausgeatmet hast
    Nach den 30 schnellen Atemzügen atme noch einmal vollständig ein, fülle deine Lunge komplett, ohne dich zu zwingen. Dann lass die Luft komplett raus und halte den Atem an, so lange du kannst. Halte ihn, bis du den Atemreflex spürst.
  4. Einatmen zur Entspannung
    Atme vollständig ein. Fühle, wie sich deine Lunge dehnt. Wenn du das gesamte Volumen deiner Lungen genutzt hast, halte den Atem für rund 10 Sekunden an. Ausatmen und insgesamt dreimal wiederholen.
  5. Du hast die Atemübung nun abgeschlossen. Bleibe noch etwas sitzen, spüre in dich hinein. Genieße das Gefühl. Mit der Zeit wird sich diese Atemtechnik mehr und mehr wie Meditation anfühlen.

Die oben gelistete Reihenfolge wird wiederholt, idealerweise mindestens vier Mal. Danach dem Körper etwas Ruhe gönnen, bevor das Kältetraining gestartet wird.

Das Wim Hof-Kältetraining

Wim nutzt für seine außergewöhnlichen Leistungen neben der Atmung und der Meditation eine dritte, sehr wirksame und intensive Methode, seinen Körper zu trainieren. Das Kältetraining. Er setzt sich bewusst der Kälte aus. Entweder, in dem er minimal bekleidet über am Polarkreis lang läuft, oder, etwas leichter nachzumachen. In dem er sich in eine Wanne mit Eis setzt. Sein Rekord liegt bei 2 Stunden in 700kg Eis zu sitzen, ohne dass sich seine Körpertemperatur änderte. Lange hielt man ihn für eine Ausnahme. Bis er seine ersten Schüler innerhalb von 10 Tagen ebenso dahin brachte, mit Kälte ohne Einbußen umgehen zu können. Die Kontrollgruppe litt hingegen. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass Wim sein autonomes Nervensystem und weitere Körperfunktionen beeinflussen kann. Etwas, was bis dahin als nicht machbar galt. Und doch können seine Schüler ähnliche Leistungen nachweisen.

Wie das geht? An Kältetherapie muss man sich langsam und schrittweise gewöhnen. Die oben genannte Atemübung sowie Meditation gehören dazu. In der richtigen Kombination kann man es sich antrainieren, den Atem immer länger anzuhalten, mit seinem Herzen, den Nerven- und Immunsystem in Kontakt zu treten. Sogar der Blutdruck lässt sich so positiv beeinflussen.

Langsam anfangen

Wenn man du dich eigentlich nie der Kälte bewusst ausgesetzt hast, solltest du ganz langsam anfangen. Einfach jede warme Dusche damit beenden, sich für 15-30 Sekunden kalt abzuduschen. Dabei mit an den Füßen anfangen, und dann langsam die Beine hochwandern. Dann zum Bauch, den Schultern, dem Nacken und dem Rücken übergehen. Und dabei versuchen, gleichmäßig und ruhig weiter zu atmen. Der anfängliche Kälteschock, zittern und leicht schnellere Atmung sind völlig normal. Der Körper schlägt Alarm, versucht dich, zum weglaufen zu überreden. Lass noch kein kaltes Wasser über den Kopf laufen.

Bei starkem Zittern, physischem Unwohlsein, Taubheit oder Schmerzen sofort aufhören und den Körper schnellstmöglich wieder aufwärmen. Das Kältetraining zeigt ähnlich wie Krafttraining erst mit Wiederholungen langsam Wirkung und man hält es länger aus. Auch die Blutgefäße und die umliegenden kleinen Muskeln gewöhnen sich dran und werden stärker. Das bedeutet, dass sie mit weniger Kraftaufwand das Blut durch den Körper pumpen können. Die Kälteexposition kann langsam gesteigert werden, irgendwann fühlt es sich angenehmen an und entspannt die Muskeln. Selbst dann, wenn nur noch kalt geduscht wird und die Haare mit kaltem Wasser gewaschen werden.

Die nächste Steigerungsstufe ist dann das kalte baden. Auch hier langsam steigern. Erstmal nur so viel kaltes Wasser in die Wanne laufen lassen, dass du drin sitzen kannst. Einsteigen, hinsetzen und ruhig ein und ausatmen. Auch nicht durch den kleinen Mann im Kopf verrückt machen lassen, der will dass man sofort aus der Wanne flieht. Wenn das Sitzbad bequem ein paar Minuten ausgehalten wird, kann man langsam die Wassermenge steigern und sich reinlegen. Auch hier gilt, gleichmäßig, ruhig atmen. Nicht zu tief, nicht zu flach. Und immer schön auf den Körper hören. Ein leichtes zittern oder kribbeln ist in Ordnung – wenn es weh tut, ist es ein Alarmsignal. Dann das kalte Bad abbrechen und sofort aufwärmen!

Auch das kalte Bad lässt sich steigern. Mit Eiswürfeln. Denn damit wir das ca 15-16 Grad kalte Leitungswasser noch weiter runtergekühlt. Wenn ich 4kg Eis auf mein kaltes Vollbad gebe, drücke ich die Temperatur auf 10-11 Grad. Mit entsprechend mehr Eis geht es auch kälter. So wie auf dem FlowFest  oder heute beim Wim Hof Workshop (gleich mehr dazu). Auch hier kann ich mich mittlerweile dank ruhiger Atmung entspannt reinsetzen und genießen. Und tatsächlich meine Muskeln entspannen. Aber ich halte es natürlich nicht so lange aus, als wenn es „nur“ kaltes Wasser aus der Leitung ist. Alles eine Frage des Trainings. Und übrigens ist es völlig normal, wenn es an manchen Tagen besser als an anderen geht. Hier kommt es nicht auf die Dauer an. Schon ein kurzer Kältereiz triggert die Vorteile der kalten Thermogenese. Was genau es damit auf sich hat, schreibe ich dir mal die Tage in einem separaten Artikel. Denn sonst wird dieser hier locker doppelt so lang, wie er schon ist 😉 Auch musst du bedenken, dass dein Körper keine Maschine ist, deren Leistung problemlos immer weiter gesteigert werden kann. Hör hin, nimm es war und reagiere umsichtig mit dir. Beim nächsten Mal wird es schon ganz anders aussehen.

Mein erster Wim Hof Workshop

Nach dem ganzen langen Vorgeplänkel (was natürlich nicht überflüssig war!), kann ich dir nun endlich von meinem Tag in Berlin erzählen. Die Anfahrt verlief problemlos. Bis ich in Berlin Schönholz in den Bus eingstiegen bin. Der Busfahrer meinte, das Umsteigen in den nächsten laut Plan könne ich mir im wahrsten Sinne des Wortes sparen, das wäre von der Haltestelle zum umsteigen nicht weit zu laufen. Und nach 5 Stunden Bahnfahren hörte sich laufen gut an. Zu dumm nur, dass ich an der Hermann-Hesse-Straße ausgestiegen bin (und mich der Fahrer auch nicht dran hinderte…) anstatt zwei Haltestellen und 2km weiter an der Hermann-Hesse-Straße/Ecke Waldstraße. Und da samstags der Bus nur alles 20 Minuten fährt, bin ich eben gelaufen. Nur gut, dass ich fast 45 Minuten Puffer bis zum Start des Workshops hatte.

Die Gruppe

Das Taram Dojo in Berlin Niederschönhausen in ein kleines Studio im Hinterhof einer Villa. Gemütlich, nicht zu groß. Es warteten schon rund 10 Leute, inklusive Patrick, der den Workshop leiten würde. Ein buntgemischte Truppe, Workshopsprache war aufgrund des internationalen Publikums Englisch. Alles fein. Sehr liebe, entspannte Leute. Ein paar wenige hatten schon Erfahrung mit dem Eisbad, andere hatten mehr Interesse an der Atmung und waren Wärme mehr zugetan als Kälte, wollten es aber ausprobieren. Nach der Vorstellungsrunde erzählte Patrick erstmal ein bisschen was über Wim Hof, seine Geschichte und Rekorde und wie die Wissenschaft versucht hat herauszubekommen, ob er einfach einzigartig ist, oder nicht. Sehr spannend, manchmal auch sehr verrückt.

Erste Atem- und Meditationsübungen

Dann gab es die erste Atemtechnik, um die Nase zu öffnen. Gut zu kennen, vor allem, wenn man mal mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Klingt etwas schräg, geht aber ganz einfach. Entspannt ein- und wieder ausatmen. Nach dem ausatmen die Nase zuhalten und leicht mit dem Kopf eine Nickbewegung machen, bis der Atemreflex einsetzt. Dann wieder ein- und ausatmen und wiederholen. Ruhig 3-4 mal.  Und dann sollten wir Liegestütze (ausgerechnet!) machen und uns merken, wie viel es waren. Ich bin nach dem 10.  zusammengebrochen – und ich mach die schon im Knien. Darf ich eigentlich gar nicht laut sagen. Die Herren in meinem Familienkreis würden mich hierbei schon wieder auslachen. Egal, ich steh dazu.. Ich konnte es nie und mag es auch nicht. Zugegeben übe ich sie auch nicht. Was es damit auf sich hatte, wusste ich schon vom FlowFest, will es aber jetzt noch nicht verraten.

Im Anschluss daran führten wir eine Summ-Meditation durch. Summen deshalb, weil es den Kopf beschäftigt und durch die Vibration der ganze Körper sich entspannt. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, wie bei einer schnurrenden Katze, die auf dir liegt. Die Vibrationen lassen dich auch entspannen. Ich weiß gar nicht, wie lang das ging, es kam mir vor, wie 20 Minuten. Ich hab tagsüber leicht das Zeitgefühl vergessen.

Und dann zeigten Patrick und drei seiner Mitstreiter, die die Wim Hof Methode schon länger anwenden bzw. sich auch darin ausbilden lassen, wie die Atemtechnik von oben durchgeführt wird. Also entspannt hinsetzen oder legen, dann 30 mal zügig ein und ausatmen. Nach dem letzten Ausatmen so lange es geht die Luft anhalten, bis der Atemreflex einsetzt. Einatmen, Luft für 10-15 Sekunden anhalten und ausatmen. Das ist ein irres Gefühl, das sich im Körper ausbreitet. Schon die 30 Atemzüge sorgen dafür, dass der ganze Körper mit Sauerstoff geflutet wird. In der Retentionphase, also dem Luft anhalten, wird quasi das CO2 wieder etwas angereichert. In der dritten Phase fühlte ich mich erst, als würde mir schwarz vor Augen werden, aber nur den Bruchteil einer Sekunde. Mit dem Ausatmen durchflutete eine Energiewelle meinen Körper, das war echt irre.

Diese Beobachtungen teilten wir miteinander. Auch konnten nochmal Fragen zur Technik gestellt werden. Dann wiederholten wir den Vorgang – mit der einzigen Änderung, dass wir wären der Retentionphase, also im ausgeatmeten Zustand die Luft anhalten, wieder Liegestütze machen sollten! Da gab es zum Teil große Augen rundum. Ich kannte das schon, und freute mich auf den Effekt. Denn, und das ist das Unglaubliche, schafften fast alle. mehr zu machen als vorher, während normal geatmet wurde! Ich schaffte tatsächlich 25 Stück. Die ersten gingen super leicht – die hätte ich bestimmt auch im richtigen Liegestütz machen können. Im Nachgang erzählte Patrick, dass dies hauptsächlich der Erkenntnis dient, zu was unser Körper alles in der Lage ist. Denn wer rechnet denn schon damit, dass man ohne Atmung mehr schafft als mit?

30 Minuten Wim Hof Atmung

Bevor es ans Eingemachte ging, gab es nochmal ein kurze Pause. Um was zu trinken, auszutreten und um den Raum durchzulüften. Auch etwas Bewegung tat gut, saßen wir doch bis dahin schon einige Zeit in der einfachen Meditationshaltung. Nach der Pause haben wir uns alle noch eine Decke geholt, denn dann sollte es losgehen. 30 Minuten lang Wim Hof Atmung, dieselbe Reihenfolge wie oben angegeben. Die erste Rund machten wir noch zusammen und Patrick leitete die Phase zwei und drei noch an. Da jeder eine unterschiedlich lang Retentionphase macht, ging es ab dann im eigenen Tempo weiter. Patrick begleitete das ganze auf seiner Gitarre, mit passend untermalendem Rhythmus.

Mit jeder Runde fühlte sich mein Körper vitalisierter aber gleichzeitig auch ruhiger an. Diese Atmung ist eine aktive Meditation. Und je mehr Sauerstoff ich im Körper hatte, um so länger konnte ich die Retentionphase halten. Machmal fühlte es sich sogar so an, als würde ich vergessen zu atmen oder einschlafen. Kennst du dieses Gefühl wenn du im Sitzen auf der Couch einschläfst, aber dann kurz vor dem einschlafen irgendwie zuckst, weil du das Gefühl hast, du kippst? So ging es mir relativ oft. Kein schlechtes Gefühl, es fühlte sich aber eher so an, als würde ich mich selbst beobachten.

Irgendwann merkte ich, dass meine Beine eiskalt wurden. Ich saß im Kamelsitz auf einem Meditationskissen. Ich änderte die Sitzposition, auch wenn das eigentlich nicht vorgesehen war. Trotz oder vielleicht gerade wegen des Sauerstoffüberschusses im Körper, fühlten sie sich erstmal weiter kalt an. Ich hatte gerade zur nächsten Runde angesetzt als Patrick ansagte, dass dies die letzte ist und wir nochmal alles geben sollten. Das tat ich. Die Atmung fühlte sich gut an, auch das Luftanhalten ging lang und problemlos. Mit dem einzelnen Atemzug zum einatmen wurde es mir ganz schwarz im Kopf. Ich konnte den Atem auch nur für 10 Sekunden halten. Mit dem Ausatmen explodierte eine Energiewelle in mir und schwappte durch den ganzen Körper. Ein irres Gefühl. Ich saß ganz ruhig da und genoß das Gefühl. Einfach beobachten, annehmen, gehen lassen. Irgendwann war auch der letzte Teilnehmer mit seiner Runde zu Ende und wir kamen nach und nach wieder im Hier und Jetzt an.

Der Höhepunkt: Das Eisbad

Die Feedback-Runde mussten wir etwa kürzen, denn Susann, eine Teilnehmerinnen und Yogalehrerin, wollte uns mit 10 Minuten Yoga nochmal aufwärmen für den Höhepunkt. Dem Eisbad im großen Planschbecken im Garten! Und uns wurde gut warm, vor allem auch den Teilnehmern die noch nie Yoga gemacht hatten. Und die Dehnung tat so gut, nachdem wir ja doch hauptsächlich gesessen hatten. Bei mir kamen 5,5 Stunden Sitzen im Zug auf der Hinfahrt hinzu und es standen weitere 5,5 Stunden auf der Rückfahrt an. Egal, war herrlich. Und dann sind Susann und ich als erste in das Eisbad. Sooooo kalt, und tat doch so gut. Susann wollte erst nach 10 Sekunden wieder raus. Ich konnte sie an ihre Yogaatmung erinnern und dann genoß auch sie dieses Gefühl, das nur ein Eisbad auslösen kann. Du nimmst jede kleine Ecke deines Körpers wahr, auch wie sie langsam etwas taub wird. Irre. Nach ca 2 Minuten sind wir dann aber doch raus, wir wollten es nicht übertreiben. Zumal in 10 Minuten mein Taxi vor der Tür stehen sollte, das mich zur S-Bahn bringen musste. Aber die Euphorie die uns eingeholte hatte, weil wir uns (mal wieder) überwundne hatten, in das Eiswasser zu steigen, war einfach toll. Jederzeit wieder!

Taja, und dann musste alles ganz schnell gehen. Abtrocknen, anziehen, eine Speedyrunde Abschied und schwups war ich wieder auf dem Weg zur Bahn. Es lief auch alles rund, so dass ich jetzt, um 21:46 Uhr irgendwo Höhe Hanau fast fertig bin mit dem Artikel – und immer noch kein bisschen müde bin!

Fazit

Ich werde ab sofort die Wim Hof Atmung in meine Morgenroutine mit einbauen. Keine halbe Stunde, aber schon vier Runden reichen, die Vorteile zu genießen. Wenn ich dann weiterhin mein Yoga und die Meditation morgens weiterführe, darf ich auf energiegeladene, ausgeglichen Tage bauen.

Und auch das Eisbad bleibt weiterhin Bestandteil meines Lebens. Ich habe meinem Freund schon angekündigt, dass ich im Garten unseres neuen Hauses eine Wassertonne haben möchte. Zum Glück kennt er meine Marotten und spielt gutmütig mit.

Ich kann nur jedem empfehlen zu versuchen, aus der warmen Komfortzone herauszukommen, und mit dem Wechsel von warm und kalt zu spielen. Es bringt so viel! Und die vielen vielen Vorteile der kalten Thermogenese habe ich noch nicht einmal aufgezeigt.

In dem Sinne: Keep breathing!

Über den Autor

Miriam

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Ich heiße Miriam Hoffbauer, bin Jahrgang ’78 und ernähre mich seit Dezember 2014 kohlenhydratarm. Auf ketoVida teile ich meine Erfahrungen mit der ketogenen Ernährung und wie diese auch dir auf dem Weg zu einem gesunden und schlanken Leben helfen kann.

10 Kommentare zu “Atmen und Eisbäder: Mit der Wim Hof-Methode den Körper und Geist stärken”

  1. Hallo Miriam,
    welches Fass nutzt du denn? Ich muss es ja abdecken, damit weder Katzen noch Vögel ertrinken und ich muss da ja auch wieder unfallfrei und alleine rauskommen können. Leiter außen stelle ich mir unpraktisch vor, wenn es richtig kalt ist und die Stufen blitzschnell vereisen.
    Danke. Gruß Gaby

    1. Hallo Gaby,
      bislang nutze ich noch gar kein Fass, sondern meine Badewanne. Das heißt ich schleppe regelmäßig Eis aus dem Supermarkt heim O:-)
      Im Januar ziehen wir um, dann will ich auch ein Fass im Garten haben. Auf ebay gibt es diverse mit Deckel, unter anderem welche in Holzoptik. Will aber nach dem Umzug auch mal in Raiffeisen-Läden und Baumärkten gucken. Derzeit ist der Plan, dass ich mir davor einen kleinen Tritt stelle und auch in die Tonne, bin schließlich nicht die Größte. Unter die Tonne und den Tritt muss ich dann eine Gummimatte legen, denn Glatteis ist sonst wohl sicher. Und ein Deckel ist auch für ich ein Muss, da weder unsere noch die Nachbarskatzen ertrinken sollen. Aber das sind nur erste Überlegungen… Falls du eher was findest, lass es mich wissen 😉
      Liebe Grüße,
      Miriam

  2. Hallo Miriam,
    ich muss meiner Familie klar machen, dass ich unbedingt die Tonne im Garten brauche und mir egal ist, was unsere demnächst neuen Nachbarn dazu meinen.
    Ich dusche z.Zt. jeden morgen 3 Minuten kalt. Und dass Wasser kommt nach 20 Sek. aus der Außenleitung und wird dann nochmal so richtig kalt. Die 1,5 Minuten sind schon spannend und schwupp die wupp sind die 3 Minuten rum. Allerdings habe ich öfters Schwierigkeiten in der Form, dass ich mich anschließend ausgekühlt fühle.
    Gruß Gaby

    1. Liebe Gaby,
      Ich drücke dir die Daumen, dass du dich durchsetzen kannst! Wir ziehen im Januar um, dann bekomme ich auch eine Tonne im Garten 😊 vielleicht ist ja eine freistehende Badewanne eine Alternative, falls das Fass nicht schick genug ist…

      Bleib gesund!

      Liebe Grüße,
      Miriam

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