Fasten – ein Experiment mit Folgen

MiriamAllgemein, Wissen10 Comments

Fasten. Freiwilliger Verzicht auf Nahrung. Kennt eigentlich jeder, und wenn es aus dem Religionsunterricht ist. Aber Hand aufs Herz, hast du es schon einmal ausprobiert? Ich bis letzte Woche nur in Form von Intermittierendem Fasten, also dem Weglassen von Frühstück oder Abendessen. Tolles Wort, ist auch sehr effektiv (was genau es ist, erkläre ich später), aber für mich noch kein echter Verzicht. Ich rede auch nicht von krankheitsbedingtem Verzicht auf Essen. Also wenn es einem so schlecht ist, dass man schon beim Gedanken an Essen wieder ins Bad rennen möchte. Ist zwar auch eine Form des Fastens, aber eben nicht freiwillig. Aber ich fang einfach mal vorne an. Mit einem kurzen Überblick über die verschiedenen Fastenmethoden.

Fasten – Ein Überblick über die verschiedenen Methoden

Bevor ich näher auf die verschiedenen Fastenarten eingehe, ist es wichtig zu wissen, wer NICHT fasten sollte: Menschen mit Essstörungen wie bMagersucht, Bulimie oder Binge Eating; diejenigen, die Herz- Nieren- oder Lebererkrankungen haben (oder nur nach expliziter Freigabe durch Arzt und engmaschiger Kontrolle!); Schwangere und stillende Frauen sollen auch nicht fasten – sie benötigen die Energie und würden die Stoffe, die der Körper entgiftet, an das Baby weitergeben. Auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen nicht fasten.

Grundsätzlich ist vor jedem Fasten, das mehr als 24 Stunden dauern soll, ein Gesundheitscheck beim Arzt oder Heilpraktiker sinnvoll. Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Absatzes, den Fastenarten:

  1. Religiös motiviertes Fasten Der Verzicht auf feste Nahrungsmittel und Genussmittel, z. B. bei den Christen. Im Islam wird während des Ramadans sogar auch auf Flüssigkeiten verzichtet (zumindest tagsüber, soweit ich weiß).
  2. Klassisches Heilfasten Beim Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet, um den Körper zu entgiften und zu regenerieren. Oftmals wird die Zeit auch für eine seelische Reinigung genutzt. Das heißt ein Rückzug aus dem Alltag, aus der gewohnten Umgebung. Das Heilfasten kann von gesunden Personen zuhause durchgeführt werden oder in speziellen Fastenkliniken unter enger Betreuung.
  3. Basenfasten/F.X. Mayr Kur/ Hiledegard-Fasten/Gemüse oder Obstfasten Diese Varianten nennen sich zwar Fasten, enthalten aber meist noch zuviele Kalorien, als dass der Körper in die Ketose, den Fastenstoffwechsel wechselt.
  4. Langzeitfasten nach Dr. Jason Fung (Extended Fasting) Im Prinzip wie das Heilfasten, von reiner Flüssigkeitsaufname über sieben bis 14 Tage. Prinzipiell sogar machbar bis zur Erreichung des Zielgewichtes, wenn z. B. täglich ein Multivitamin als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird. Auch sagt Dr. Fung zum einen, dass es durchaus im Alltag durchführbar ist und als Unterstützung bis zu einem Esslöffel Öl pro Heißgetränk oder gar 1/2 Teelöffel Chiasamen erlaubt sind. Das ist dann auch kein reines fasten mehr, bringt aber dieselben gesundheitlichen Vorteile (liste ich weiter unten auf).
  5. Intervallfasten Intervallfasten oder Alternativ-Day Fasting, wie es im Englischen heißt, bedeutet, dass man ein bis drei Tage pro Woche für 24 Stunden fastet. Also beispielsweise einen Tag essen, einen Tag fasten – immer im Wechsel. Einen gewissen Grad der Bekanntheit hat die 5:2 Methoden gewonnen. Hierbei wird an fünf Tagen in der Woche normal gegessen, an zweien gefastet.
  6. Intermittierendes Fasten Intermittierend bedeutet unterbrechend. Bei dieser Fastenmethode wird täglich gefastet, aber auch täglich gegessen. Lediglich die Zeit zwischen der letzten Mahlzeit am Vortag und der erste Mahlzeit des Folgetages wird verlängert. So wird der Fastenzustand, der jede Nacht erreicht wird, verlängert. Beliebte Zeitfenster sind 16:8 und 20:4. Es wird also 16 Stunden gefastet und dann innerhalb von acht Stunden der Tagesbedarf gegessen. Bei 20:4 verlängert sich die Fastenzeit auf 20 Stunden, im Anschluss wird innerhalb von vier Stunden gegessen. Da es hier kein Richtig oder Falsch gibt, kann jeder selbst probieren, was am Besten in den individuellen Tagesablauf passt. Frühstück ausfallen lassen? Vielleicht sogar inklusive Mittagessen? Oder doch lieber nur das Abendessen auslassen? Das ist ganz auf die persönlichen Vorlieben abstimmbar – und die sozialen Gegebenheiten. Viele Familien essen oftmals nur abends zusammen, da ist es wohl sinnvoller, das Frühstück ausfallen zu lassen. Andere machen abends lieber Sport und trinken danach nur noch etwas. Da hilft nur ein: ausprobieren!

Fasten und seine Vorteile

Fasten bringt verschiedene Vorteile mit sich. Während sich religiös motiviertes Fasten auf die mentale Ebene fokussiert, bringt es egal in welcher Form auch auf physischer Ebene diverse positive Aspekte mit sich:

  • Entgiftung: Einer der wichtigsten Punkte einer Fastenkur ist die Entgiftung. Der Körper spült verstärkt Stoffwechselreste und in Fettzellen eingelagerte Gifte aus. Wie dieser Vorgang unterstützt werden kann, zeige ich weiter unten auf.
  • Autophagie/Apoptose: Durch den fehlenden/stark reduzierten Nachschub von Aminosäuren wird der Vorgang der beschleunigt. Dabei baut der Körper alte Zellen/Zellteile ebenso wie fehlerhaft funktionierende Zellbestandteile schneller ab, und das auch schon beim Intermittierendem Fasten. Dies geschieht, in dem die Zellen sich selbst auffresssen (Autophagie) bzw. diese werden durch den Körper gezielt in den Zelltod geschickt.
  • Wechsel in den Fettstoffwechsel/Ketose: Aufgrund der fehlenden Energiezufuhr wird der Körper gezwungen, erst alle Kohlenhydratvorräte (überschüssiger Zucker im Blut) sowie  Glykogen (die Speicherform von Zucker) in den Muskeln abzubauen. Dies geschieht in den ersten 2-3 Tagen des Fastens. Danach sind die Speicher aufgebraucht und der Körper schaltet auf die umgangssprachliche Fettverbrennung um. Das heißt er nutzt die Fettzellen, um daraus in der Leber sogenannte Ketonkörper herzustellen, er wechselt also in die Ketose. Mittels der Ketonkörper werden die Organe versorgt, die Fett in seiner ursprünglichen Form nicht nutzen können, so wie beispielsweise das Gehirn. Daher wird Fasten auch gerne als Einstieg in die ketogene Ernährung genutzt, die diesen Zustand selbst bei ausreichender Energiezufuhr beibehält.
  • Abnahme: Fasten – egal in welcher Form – ist ein sehr effektives Mittel, um abzunehmen. Der Körper wird gezwungen, an seine Vorräte zu gehen, wenn keine bzw. nur reduzierte Energie zugeführt wird.
  • Reduktion der Insulinresistenz: Insulinresistenz bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse zwar ausreichend Insulin produziert auf kohlenhydratreiche Mahlzeiten, die Zellen reagieren aber nicht mehr im ausreichendem Maße. Dies führt auf Dauer zu erhöhtem Blutzucker und so zu Diabetes Mellitus Typ 2. Fasten ermöglicht es sehr effektiv, dass die Zellen wieder besser auf Insulin reagieren.
  • Gesteigerte Hirnleistung/Verbesserung von Epilepsie: Die seit Jahrhunderten dokumentierten gesundheitlichen Verbesserungen, die Menschen durch das Fasten erfahren haben, wie eine Reduktion von epileptischen Anfällen, besser Fähigkeiten, sich zu fokussieren etc, führten vor rund 100 Jahren zur Entwicklung der ketogenen Ernährung. Denn bevor die Entwicklung von Antieplileptika soweit war, brachte die ketogene Ernährung Erleichterung bei Epilepsie bis zu Anfallsfreiheit, indem der Fastenzustand imitiert wird, ohne die Einschränkung, dass nur solange gefastet werden konnte, wie der Körper Notreserven hat. Ketonkörpern wird auch eine neuroprotektive Wirkung auf der Gehirn nachgesagt, die Forschung arbeitet noch daran, inwiefern Alzheimer & Co dadurch verhindert oder zumindest die Auswirkungen vermindert werden können.
  • Regulation des Immunsystems und der Hormone: Es wird beobachtet, dass Fasten durch die Reduktion von Entzündungen im Körper das Immunsystem wieder stärkt und die Hormonproduktion ausbalanciert.
  • Unterstützung der Krebstherapie: Fasten wird teilweise unterstützend in der Krebstherapie eingesetzt, ebenso wie die Ketogene Ernährung. Durch den Entzug der Kohlenhydrate wird manchen Tumorarten auch die Energiequelle entzogen. Gleichzeitig sprechen die Zellen besser auf die Chemotherapie an.

Meine Vorbereitungen auf das Fasten

Wie habe ich mich vorbereitet auf die Tage ohne Essen? Mhm, nicht sehr aufwändig. Ich habe letzte Woche Donnerstag auf Freitag spontan gefastet, für 24 Stunden. Freitagabend hab ich ein bisschen was gegessen, ebenso Samstagabend. Also Intermittierendes Fasten in einem Fenster von 23:1. Sonntag hab ich gefrühstückt, dann sind wir an den See gefahren. An so warmen Tagen trinke ich eigentlich grundsätzlich nur tagsüber, alles andere finde ich zu anstrengend. Dann haben wir am frühen Abend gegrillt. Hier gab es noch einmal etwas Bacon, Pilze und Fenchel vom Grill. Und dann nur noch Flüssigkeiten.

Parallel dazu hab ich das Buch „The Complete Guide to Fasting“ von Dr. Jason Fung angefangen zu lesen. Ja, nur angefangen und während des Fastens weitergelesen. Nicht unbedingt so richtig empfehlenswert, aber auch kein Riesendrama. Denn ich wusste ja, auf was ich achten musste. In dem Fall genügend Flüssigkeiten zu mir nehmen, so ca 5-7 Liter pro Tag, auf die Elektrolyte wie Salz achten oder eben Kokoswasser und Knochenbrühe trinken. Und eine große Portion Neugierde und Gelassenheit in petto haben. Ich habe mir vorgenommen zu gucken, ob ich drei Tage, oder wenn es sehr gut läuft, fünf Tage zu fasten. Aber immer mit der Option abzubrechen, falls ich mich nicht gut fühle oder es mir zu anstrengend wird.

Wie ich das Fasten erlebt habe

Im Vorfeld habe ich damit gerechnet, dass zumindest so die ersten ein, zwei Tage schwierig werden könnten. Nicht, weil der Körper sich aufgrund der fehlenden Kohlenhydrate auf die Nutzung des Körperfettes umstellen musste.  Durch meine langfristige, zyklisch ketogene Ernährung ist mein Metabolismus in der Lage, problemlos (oder zumindest ohne groß spürbare Auswirkungen) hin- und herzuschalten. Auch Angst vor Kopfschmerzen hab ich nicht wirklich gehabt, denn solange genügend Wasser und Elektrolyte zugeführt werden, ist das zumindest bei mir erst einmal kein Problem. Zumal ich weiterhin meine Nahrungsergänzungsmittel genommen habe, die ich aufgrund meiner Stoffwechselstörung Kryptopyrrolurie (KPU) zu mir nehme. Denn hier wollte ich kein Risiko eingehen. Was mir allerdings aufgefallen ist, dass mir so ca. 30-45 Minuten nach Einnahme der Kapseln etwas flau im Magen wurde. Das ist aber eindeutig auf die fehlende Grundlage zurückzuführen, hatte aber keine schwereren Auswirkungen. Ich hatte eher gedacht, dass der Wille durchzuhalten schwanken würde.

Aber: Es fiel mir so leicht, nicht zu essen, dass ich total überrascht war. Ich hatte keine Energieeinbußen (Ketose sei Dank), quasi keine Hungergefühle. Und wenn ein Hauch von Hunger aufkam, dann hat ein Glas Wasser gut geholfen. Ich fand es unglaublich faszinierend, wie einfach es war. Klar, die Wärme draußen hilft. Aber es war nicht anstrengend oder ein Verzicht. Im Gegenteil. Es setzte eine Leichtigkeit ein, sowohl im Körper, da kein Nahrungsbrei mehr verarbeitet werden musste, als auch im Kopf. Einfach, weil ich nicht drüber nachdenken musste, was ich wann essen will, vorbereiten oder einkaufen muss. Herrliches Gefühl.

Ein Nachteil – das viele Trinken

Das Einzige, was während des Fastens lästig ist, dass doch regelmäßig die Blase voll ist. Kein Wunder, bei durchschnittlich sechs Litern Flüssigkeitsaufnahme pro Tag. Aber das war es dann auch schon an Nachteilen. Ich konnte sogar problemlos an Essenständen auf dem Markt vorbeigehen oder mit den Kollegen zum Mittagessen in die Kantine, und dabei selbst nur ein Päckchen Kokoswasser trinken. Es hat mir nichts ausgemacht.

Erhöhte Achtsamkeit während des Fastens

Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich viel achtsamer mit mir selbst war. Einerseits, weil ich vermeiden wollte, dass ich im Büro, beim Sport oder daheim Kreislaufprobleme kriege. Auch habe ich die Hungergefühle betrachtet, die während des Fastens aufkamen. Zum einen waren diese nie so stark wie zu Zeiten, wo ich normal esse, also mit einem ungefähren Abstand von fünf bis sechs Stunden. Diese Woche kam ab und zu so etwas wie Hunger auf, aber eben eher schwach und meist schon durch ein Glas Wasser sofort aufzulösen. Ist durchaus ein Punkt, den ich im Nachgang beibehalten werde. Bei etwas Appetit oder Hunger erst einmal etwas trinken. Denn auch wenn ich sonst mindestens zweieinhalb bis drei Liter pro Tag trinke, an Sporttagen sogar mehr, kann es durchaus sein, dass ich Hunger fühle, aber eigentlich Durst habe. Das geht übrigens sehr vielen Leuten so!

Kontrolliertes Fasten

Und dann ist da noch die physische Seite. Wie reagiert er darauf, nüchtern mit dem Rad zur Arbeit zu fahren? Fühle ich irgendwo Verspannungen? Was macht der Verdauungstrakt, wenn Nachschub ausbleibt? Wie verhalten sich der Blutzucker- und Ketonkörperspiegel? Ändert sich der Blutdruck? Sehr interessant, das alles. Da ich die letzten Wochen recht viel Stress hatte und Mittags gerne mal einen Tiefpunkt hatte, wusste ich, dass es Zeit ist, wieder in eine ordentliche Ketose zu kommen. Hab vorher gemessen, war auch nicht allzu locker mit den Kohlenhydraten, aber die Ketose wird eher nur minimal gewesen sein und teilweise auch nicht vorhanden. Habe nicht gemessen, war mir egal.

Entwicklung des Blutzuckerspiegels und der Ketonlevel

Diese Woche hab ich genauer hingeschaut. Montag zum Beispiel war morgens um kurz nach sechs der Blutzuckerspiegel bei 116ng/dl, Dienstag bei 117! Viel zu hoch. Kann aber auch eine übersteigerte Stressreaktion gewesen sein. Der zu hohe Cortisolspiegel würde den hohen Blutzucker und die noch nicht erreichte Ketose bei  0,4mmol erklären. Mittags war alles schick, der Blutzuckerspiegel zwischen 84 und 72ng. Ab Mittwoch war dieser dann auch morgens so niedrig und veränderte sich über den Tag gemessen kaum. Die Ketose hab ich nur in der Früh gemessen.

Ab Mittwoch standen dann 1,9mmol morgens auf dem Gerät. Heute früh waren es „nur“ 1,8mmol, aber da ich Donnerstagabend noch beim Krafttraining war, wird der Körper über Nacht einiges gleich wieder verbraucht haben. Freitagabend war ich dann doch neugierig. Ich hatte mich für das Fastenbrechen entschieden und wollte vorher noch einmal wissen, was die Ketose sagt. 2,5mmol! Sehr gut. Da ich selten so tief in der Ketose war, seit ich adaptiert bin, denke ich, dass sich doch einiges getan hat im Körper, aber effizient. Und überflüssige Ketone ausspülen ist eben nicht effizient. Auch der Blutdruck zeigte sich unbeeindruckt von der fehlenden Nahrung und pendelte immer bei um die 106/70 bis 120/80, was bei mir völlig normale Werte sind.

Fasten – und den Körper dabei unterstützen

Reines Flüssigkeitsfasten lässt den Körper stark entgiften. Der Körper scheidet vermehrt Stoffwechselprodukte, Eiweißreste und Giftstoffe aus. Nicht nur die, die sich im Darm sammeln, sondern auch die, die bis zu dem Zeitpunkt in Fettzellen eingeschlossen waren. Hierbei ist es notwendig, die Leber und die Niere und den Darm in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Niere erhält diese Unterstützung in Form des vielen Wassers. Auf Kaffee hab ich weitestgehend verzichtet, morgens gab es noch einen, und teilweise mittags. Einfach, um mal etwas anderes zu trinken als Wasser mit natürlichem Geschmack.

Die Darmreinigung zu Beginn

Das ist ein Punkt, bei dem ich feststellen musste, dass ich mich im Vorfeld vielleicht noch stärker hätte informieren sollen. Denn Dr. Fung schreibt in seinem Buch nichts dazu. Aber viele deutsche Webseiten zum Thema Fasten zeigen auf, dass eine Darmentleerung am ersten Tag sehr sinnvoll ist, um zum einen die Umstellung von Nahrungsaufnahme zum Ausscheiden zu erleichtern, zum anderen, um das Fasten zu erleichtern und Kopfschmerzen zu vermeiden. Außerdem soll das Abführen wohl das Hungergefühl reduzieren. Zu den verschiedensten Abführmethoden hat das Heilfasten-Portal eine schöne Übersicht erstellt.

Einläufe

Eine wichtige Unterstützung der Entgiftung ist die Dickdarmreinigung mit Hilfe von täglichen Einläufen. Das Wasser, das dem Darm zugeführt wird, spült einen Großteil der Reste aus unterstützt die Darmbewegung, die anderweitig beim Fasten etwas reduziert wird. Eben weil von oben keine Nahrung zugeführt wird. Außerdem können die Einläufe die eventuelle Hungerattacken sowie einige Symptome der Ketogrippe.

Der Leberwickel

Die Leber leistet während des Fastens Schwerstarbeit, indem sie zum einen stärker als sonst entgiftet und gleichzeitig vermehrt Ketonkörper produziert. Sie sollte auf jeden Fall unterstützt werden. Hier sind tägliche Leberwickel sehr sinnvoll. Der Leberwickel ist ein uraltes, aber sehr simples Mittel zur Unterstützung der Leber. Man benötigt lediglich eine Wärmeflasche sowie ein Handtuch (kann auch ein Leinentuch sein). Dann die folgenden Schritte einhalten:

  1. heißes Wasser in die Wärmflasche
  2. die restliche Luft vor dem Verschließen herauspressen
  3. ein Drittel des Handtuches mit warmem Wasser befeuchten
  4. dann die Wärmflasche in den trocken Part wickeln
  5. dann im Bett oder auf einer Liege bequem auf den Rücken legen und dafür sorgen, dass die Füße warm bleiben
  6. die eingewickelte Wärmflasche mit der feuchten Tuchseite auf den Bauch unterhalb des rechten Rippenbogens platzieren
  7. für 15 bis 20 Minuten entspannen.

Das Fasten brechen

Bei Fastenperioden, die drei Tage und länger dauern, muss der Körper sanft wieder an die Nahrung gewöhnt werden. So wie vor dem Fasten Entlastungstage gemacht werden, wird im Anschluss das Essen wieder schrittweise eingeführt. Die wieder Einführung sollte mindestens ein Drittel der gesamten Fastenzeit in Anspruch nehmen. Also bei sieben Tagen fasten über zweit Tage wieder langsam das Essen steigern, bei drei Wochen sollte man sich eine Woche Zeit geben, die vollen Kalorienmenge wieder zuzuführen. Gleichzeitig kann diese Phase genutzt werden, alte Muster zu durchbrechen und eine neue, gesunde Ernährungsweise einzuführen.

Traditionell wird das Fasten mit einem Apfel gebrochen. Da dieser nur in einen wenigen Sorten in die ketogene Ernährung passt, auf die ich so gut wie nie Zugriff habe, bin ich ausgewichen auf die Papaya. Diese hat nur rund 7g Kohlenhydrate pro 100g (und ist dadurch für manch einen Hardcore-Ketarier auch schon tabu) und strotzt nur so vor Nährstoffen.. Die Papaya hat außerdem einen herrlichen Geschmack und hat zusätzlich den Vorteil, dass sie Papain enthält. Das ist ein Enzym, dass bei der Proteinspaltung wertvolle Dienste leistet und schützt vor Entzündungen.

Wichtig zu wissen: Je nach Dauer der Fastenphase kann es durchaus drei Tage dauern, bis es zum ersten Stuhlgang kommt. Dies ist eine natürliche Passagezeit von Lebensmitteln durch den Darm.

So habe ich wieder angefangen

Ich habe einfach eine halbe kleine Papaya in Würfel geschnitten, diese mit echter Vanille und Zimt bestreut und etwas Kokosmilch dazu gegeben. Nach den fünf Tagen Nahrungsverzicht kam dies einer wahren Geschmacksexplosion gleich. Über die nächsten anderthalb Tage habe ich vorsichtig wieder mehr Gemüse eingeführt, dann Eiweiß aus Nüssen und die schwerer verdaulichen Nahrungsbestandteile folgen erst noch. Hier noch ein paar kurze Tipps zur den Aufbautagen:

  • nur kleine Mengen essen
  • Jeden Bissen sehr gut kauen – so wird der Verdauungsvorgang im Mund optimal gestartet und die Hormonproduktion bereitet den Verdauungstrakt auf die eingehende Nahrung vor
  • Langsam essen – auch wenn es schwer fällt
  • Achtsam essen. Jeden Bissen genießen und die geänderte Geschmackwahrnung genießen.
  • Aufhören, wenn man satt ist – nicht erst wenn der Magen voll ist.
  • Frische und natürliche Zutaten verwenden

Mein Fasten-Fazit

Dieses recht spontane Fasten war eine herrliche Erfahrung. Ich hätte nicht mit dieser Leichtigkeit gerechnet, die einsetzt. Auch bin ich ein bisschen stolz auf mich, dass ich es gleich fünf Tage durchgehalten hab. So eine Fastenphase werde ich definitiv wiederholen. Denn dieses Mal hab ich nur unterbrochen, weil ich Sonntag bei einer ganz lieben Freundin zum Geburtstag eingeladen bin. Und das will ich genießen.

Beim nächsten Versuch werde ich schauen, ob ich sieben bis 14 Tage durchhalte. Und noch einiges verbessern. Erstens, gleich am Anfang die Darmreinigung machen. Zweitens werde ich mich informieren, ob es zusätzlich Sinn macht, täglich Öl zu ziehen. Nicht, dass das zuviel Entgiftung auf einmal wird. Drittens werde ich im Vorfeld noch viel mehr Knochenbrühe kochen, auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Denn obwohl ich gedacht habe, dass es zu warm für Brühe ist, tat sie sehr gut. Viertens werde ich vor Beginn und nach Ende des Fastens einen InBody-Scan im Fitnessstudio machen lassen, um zu sehen, wie sich die Zusammensetzung geändert hat. Und vielleicht werde ich auch wieder stärker auf intermittierendes oder Intervallfasten im Alltag einsetzen. Aber das wird sich zeigen, wie und ob es mache.

Du möchtest auch einmal Fasten? Oder es als Einstieg in die ketogene Ernährung nutzen? Im Rahmen eines Personal Coachings unterstütze ich dich gerne dabei! Melde dich bei mir, dann können wir alles weitere besprechen.

Über den Autor

Miriam

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Ich heiße Miriam Hoffbauer, bin Jahrgang ’78 und ernähre mich seit Dezember 2014 kohlenhydratarm. Auf ketoVida teile ich meine Erfahrungen mit der ketogenen Ernährung und wie diese auch dir auf dem Weg zu einem gesunden und schlanken Leben helfen kann.

10 Kommentare zu “Fasten – ein Experiment mit Folgen”

  1. Hallo Miriam!

    Glückwunsch, das hört sich sehr gut an. Was mir nur nicht ganz klar ist: Warum hast du eine so große Menge getrunken? Ich hab das Buch von Dr. Fung auch gelesen und mir ist nicht aufgefallen, dass er das irgendwo so geschrieben hätte. Oder hast du das aus einer anderen Quelle?

    Liebe Grüße
    Antonie

    1. Hallo Antonie!
      Danke für das Kompliment. Ich trinke auch an nicht-Fastentagen recht viel, meist um die 3,5l.
      Dass es so viel sein muss, steht nirgends. Ich trinke nach Gefühl. Zumal so eine gewisse Völle im Magen erreicht wird. Viel Wichtiger aus meiner Sicht ist aber, dass mit der großen Menge Flüssigkeit die Entgiftung unterstützt wird.

      Liebe Grüße,
      Miriam

  2. Hi,

    ich habe mit Interesse Ihren Artikel gelesen.

    Ich habe reichlich Erfahrung mit Fasten, von intermittierend bis zu 12 Tage, und ernähre mich inzwischen ketogen.

    Ich habe die Beobactung gemacht, dass während der Fastenzeit (Wasserfasten, 5-7 Tage) eine Mineralsalzlösung der „vollen Blase “ und Fatigue entgegenwirkt. Auch Darmknurren und Darmkrämpfe oder Übelkeit waren nicht vorhanden. 1/ 2 TL natriumreduziertes Kochsalz, das Natrium und Kalium liefert, und 1/2 TL Magnesiumchlorid auf 1L Wasser. Die über den Tag verteilt, verdünnt oder unverdünnt, nach Gusto trinken.

    So kann ich im Fastenzustand mehrere Stunden Fahrradfahren. Sprints sind nicht so einfach aber im moderaten Bereich, alles keine Thema. Keine Hungergefühle, nur gelegentliche Phantasien über Eiersalad und Avocado in viel Mayo oder über ein großes Stück gesalzene Butter! Der ketogene Metabolismus hilft sicherlich viel dabei.

    Mit einer kohlenhydratreichen Ernährung hatte ich immer Symptome die ersten Tage: starkes Schwitzen in den ersten 24h, leicher Kopfdruck, Reizbarkeit, Schwindel. Diese tretten immer noch auf, jedoch so stark gemindert, dass ich bewußt danach suchen muss um sie wahrzunehmen. Ein starker Abfall der Herzrate war immer eine Begleiterscheinung: normal 54-57 vs 5 Tage Fasten bis 38-41. Mit der Keto und der Salzlösung sinkt die Herzrate von ca 61 auf ca 50.

    Ich habe Bedenken ob eine erzwungene Darmentleerung richtig ist, denn dabei verliert man sehr stark Mineralien. Der Darm weiss alleine was gut für ihn ist. Die ersten drei Fastentage ist der Stuhlgang wie immer, nur weniger. Mit Sauerkrautsaft dann alles zwei Tage. Durch das Fasten kommt es zu einem Mineralungleichgewicht (Na, K, Mg). Die langsame Wiederaufnahme von Nahrung ist wichtig damit der Darm sich daran gewöhnt, da während des Fastens die Verdaungsorgane schrumpfen UND damit der Mineralhaushalt sich wieder ausbalanciert (siehe Refeeding Syndrom).

    Schönen Gruß
    Cornelia

    1. Liebe Cornelia,
      ganz lieben Dank für den ausführlichen Kommentar! Die Tipps sind definitiv hilfreich, der Mineralienausgleich notwendig. Spannend ist das Thema mit der Herzrate. Solange es gut anfühlt, sollten selbst so niedrige Raten wie 38-41 kein Thema sein.

      Die erzwungene Darmentleerung wird im traditionellen Heilfasten betont – Dr. Fung erwähnt diese zumindest zu Anfang nicht. Mir haben die Entlastungstage vorher gereicht. Mir taten die Einläufe gut, aber auch hier sollte man auf seinen Körper hören.
      Und ja, langsam ist ein wichtiges Stichwort. Denn ein Refeeding Syndrom möchte man wirklich nicht erleben.

      Wie oft fasten Sie?

      Liebe Grüße,
      Miriam

      1. Guten Morgen,

        ich habe viele Varianten des Fastens ausprobiert: von intermittierend bis zu 12 Tage Wasserfasten. Gut für mich ist eine Routine von 3 x Jahr je 5-7 Tage Wasserfasten. Selbst eine dünne Suppe oder ein Glas Gemüsesaft würde mich hungrig machen, deshalb Aqua mit Salzmix.
        Vor der ketogenen Ernährung verlor ich Fettgewebe und Muskeldefinition, jetzt mit der Keto gewinne ich Definition während des Fastens, d.h. ich verliere weniger Muskel.
        Mit der Keto hat sich ein Rhytmus von 2 Mahlzeiten am Tag eingestellt. Also habe ich auch hier Minifastenzeiten von 12-16h. 7 Tage Fasten ist da kein Problem. Es ist nur superlangweilig!

        Bin jedoch nicht streng mit mir. Hunger ist Hunger, da gibt es Essen bis ich satt bin.

        Schönen Gruß
        Cornelia

        1. Guten Morgen Cornelia!
          Das klingt nach einem wunderbaren Konzept an, das du für dich gefunden hast. Nur Wasserfasten ist in der Tat sehr langweilig. Packst du wenigstens Obst oder Gemüse ins Wasser, damit das Wasser etwas Geschmack annimmt? So mache ich das. Gurkenscheiben, Himbeeren oder Erdbeeren ins Wasser geben und etwas ziehen lassen.

          IF mache ich auch regelmäßig, aber so wie du. Wenn Hunger da ist ( also richtiger, nicht so ein leichter Appetit), dann esse ich.

          Viel Spaß und Erfolg weiterhin mit Keto!
          Miriam

          1. Morgen,

            ja, Zitronenscheiben. Gurkenscheiben sind eine Superidee! Vielleicht mit frische Minze dazu?

            Gruß und einen schönen Tag
            Cornelia

          2. Guten Morgen!
            Ja, frische Minze lässt sich super kombinieren, zu Gurke, Zitrone, Erdbeeren, Himbeeren oder allein 😉

            Viele Grüße & schönen Tag dir,
            Miriam

  3. Toll, dass du das durchgezogen hast! 🙂

    Da ich im Moment noch an einer Studie teilnehme, sollte ich nicht „zu extrem“ essen bzw. nicht essen – sobald das durch ist, probiere ich das Fasten über mehrere Tage auch einmal aus. Bis jetzt habe ich „erst“ 24-Stunden-Fasten gemacht – war aber auch da schon extrem überrascht, wie einfach es war. Man stellt sich das alles so schwer und unmöglich vor, mal auf eine Mahlzeit zu verzichten – irgendwie doch einfach verrückt, wenn man unsere Geschichte betrachtet.

    Weiter so und vielen Dank für diesen spannenden Bericht! 🙂

    Liebe Grüsse,
    Romina

    1. Danke liebe Romina! Über die Studie werde ich dich noch genauer ausfragen 😇 Es ist schon erstaunlich, was wir alles können, wenn wir nur mal offen für neue Erfahrungen sind. Und in dem Moment, wo das Thema Essen wegfällt, hört man (zumindest ging es mir so) sehr viel genauer hin, was der Körper braucht. Wünsche dir einen wunderschönen Feiertag!
      Liebe Grüße,
      Miri

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