Rezension: „Köstliche Revolution“ von Dr. med. Andreas Eenfeldt

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Lesen war schon immer mein Hobby. In Büchern kann ich versinken und die Welt aussen vor lassen. Natürlich eher mit Romanen, aber es gibt auch Ausnahmen. Z. B. gut geschriebene Fachbücher über die verschiedensten Formen der Low Carb-Ernährung. Ein Buch, dass jeder lesen sollte, der sich mit LCHF beschäftigt, möchte ich dir hier vorstellen

Köstliche Revolution, von Dr. med. Andreas Eenfeldt

Dr. med. Andreas Eenfeldt ist Allgemeinmediziner und Ernährungsspezialist. Mit dem Buch „Köstliche Revolution – Gesund und Schlank durch richtiges Essen“ hat er ein Grundlagenbuch zum Thema Low Carb High Fat (LCHF) geschrieben. Es gehört in meinen Augen zur Pflichtlektüre, wenn man sich mit einer kohlenhydratarmen Ernährung auseinandersetzen möchte. Eenfeldt betreibt Schwedens größten Gesundheitsblog Kostdoktorn.se (auch auf Englisch unter dietdoctor.com lesbar).

Wer ist Dr. Eenfeldt? Geprägt durch seine Ausbildung und dem damaligen Stand der Ernährungslehre gehörte Eenfeldt zum Zeitpunkt seiner Promotion im Jahr 2000 zu den Ärzten, die voller Überzeugung seinen Patienten gesunde, fettarme Kost verordnete. Er beobachtete jedoch, dass Viele trotz dieses Rates immer dicker wurden, Diabetes und weitere, mit Fettleibigkeit verbundene Krankheiten entwickelten. Eenfeldt wunderte sich darüber und reflektierte das Gelernte.
Er kam zu der Einsicht, dass sich seine Ausbildung auf Krankheiten und Medikamente fokussierte,
aber nicht auf Gesundheit.
Also begann er mit Hilfe von Büchern, Blogs und Köstliche Revolution_im Textwissenschaftlichen Studien den Grund für die Entwicklung des dicker Werdens trotz gesu
nder Nahrung zu erforschen und teilte via seinem Blog seine neuen Erkenntnisse. Denn zu seiner Überraschung stellte sich heraus, dass das Fett, das seit den 1980ern so rigoros verteufelt wurde, unschuldig ist.

Mittlerweile ist Dr Eenfeldt einer der wichtigsten Verfechter schwedischen Low-Carb-High-Fat-(LCHF)-Bewegung, die mit vorzeigbaren Erfolgen und wissenschaftlichen Studien für ein grundlegendes Umdenken bei Thema Ernährung in Schweden führt. In seinem Buch „Matrevolution“ fasste er 2011 seine Erkenntnisse und Studien zusammen. 2013 wurde es dann ins Deutsche sowie vier weitere Sprachen übersetzt.

Köstliche Revolution: Gesund und schlank durch richtiges Essen

Zum Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Zitat, das passender nicht sein könnte:

„Zwei Generationen … erhielten die falschen Ernährungsempfehlungen und machten Jagd auf das Fett – völlig umsonst. Es wird Zeit, die Ernährungsratschläge zu überprüfen und mit Hilfe der modernen Wissenschaft neu zu begründen.“ Gran Berglund, Professor für Innere Medizin an der Universität Lund

In den drei Hauptthemen „Rückwärts“, „Vorwärts“ und „Wegweiser“ nimmt Dr. Eenfeldt seine Leser an die Hand und erklärt auf sehr anschauliche, leicht verständliche Weise, woher die aktuell weit verbreitete Fett- und Cholesterinangst, wie die Evolution unsere Ernährung beeinflusst kommt und wie jeder Einzelne seinem Weg zu mehr Gesundheit folgen kann.

Rückwärts

Das Themengebiet „Rückwärts“ bietet einen kurzen Ein- und Überblick über die menschliche Evolution in Zusammenhang mit der jeweils konsumierten Nahrung. Also ungefähr 5 Millionen Jahre als Jäger und Sammler, die Fisch, Fleisch, sowie gesammelte Beeren, Nüsse, Eier, Früchte und weiterer essbarer Planzenteile. Als dann vor 9000 Jahren der Ackerbau aufkam, der Zucker in Form von Getreide auf den Plan brachte. Also im Vergleich zur restlichen Evolution ein Wimpernschlag, was die Frage aufkommen lässt, ob sich der menschliche Verdauungsapparat überhaupt schon dran „gewöhnt“ hat. Aber auch der Ackerbau selbst stellt noch keine allzu große Herausforderung dar. Erst mit der Industrialisierung kam etwas auf, was deutlich länger gelagert und besser verschifft werden konnte. Weißes Mehl und Zucker. Zwei Stoffe, die im Körper heftige Auswirkungen haben. All dies zeigt Eenfeldt auf unterhaltsame und leicht nachvollziehbare Weise auf. Dazu zieht er verschiedenste Beispiele unterschiedlichster Forscher aus aller Welt heran.

Wenn man das 2. Kapitel von „Rückwärts“ liest, weiß man nicht, ob man lachen, heulen oder wütend werden soll. Warum? Es geht um das Thema Fettangst und die immer stärker werdende Fettsuchtepidemie, die sich weltweit ausbreitet. Dr. Eenfeldt zeigt sehr detailliert auf, wie Ärzte, Ernährungsberater und Medien seit Anfang der 80er Jahre die Angst vor (gesättigtem) Fett und Cholesterin geschürt haben. Er stellt auch dar, wie Irrtümer entstanden sind und wie Studien teilweise gezielt manipuliert wurden, um die erhofften Ergebnisse zu unterstützen.

Gleichzeitig erklärt der Autor immer wieder genau, wo Irrtümer entstanden und wie (oft systematisch) widersprüchliche Erkenntnisse einfach unter den Teppich gekehrt wurden, die die Anti-Fett-These in Frage stellten.

Zum Ende des Kapitels kommt er im Heute an. Überall auf der Welt stellt man die alten Ernährungspyramiden wissenschaftlich in Frage, und ganz besonders in Schweden. Denn wenn man sich die Zahlen anguckt, dann sind seit dem Zeitpunkt, als Fett verteufelt wurde und „echtes“ Essen immer mehr durch industriell verarbeitete „Light“-Produkte ersetzt wurden, sind die Menschen nicht wie gehofft schlanker und gesünder geworden. Im Gegenteil. Die Fett- und Diabetesepidemie breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus, überall dort, wo die westliche Art zu Essen übernommen wird. Aber es gibt doch so viele Studien, die beweisen, dass Fett zu mehr Krankheiten führt? Vordergründig ja. Wenn man genauer hinschaut, sind viele dieser Studien wissenschaftlich nicht korrekt durchgeführt oder eben unter gewissen Gesichtspunkten ausgewertet worden und unbequeme Fakten sind unter den Tisch gefallen. Aber wie will man dieses Dilemma lösen? Es gibt nur einen einzigen Weg. Alle zur Verfügung stehenden Studien genauestens analysieren und unvoreingenommen auszuwerten. Dieser riesigen Aufgaben haben sich drei Forschergruppen angenommen. Alle drei Gruppen fanden in denen ihnen zugewiesenen und ausgewerteten Studien keine Zusammenhänge zwischen dem Konsum von gesättigtem Fett und Herzkrankheiten.

In Schweden gibt es anhaltende Diskussionen und die Ernährungsempfehlungen. Es geht um natürliche Lebensmittel, ohne Zusatzstoffe, der Auseinandersetzung mit der Fettangst, den Glykämischen Index (Vermeidung von Zucker & schnellen Kohlenhyddraten sowie LCHF. Und es scheint schon zu wirken. In den letzten Jahren sind die Zahlen der Übergewichtigen Einwohner Schwedens nicht mehr gestiegen. Im Gegenteil, es gibt wohl erste Anzeichen dafür, dass die Zahlen zurückgehen.

Vorwärts

Die „köstliche Revolution“ ist mit der Low-Carb-High-Fat-(LCHF)-Bewegungauf dem Vormarsch, und das mit einer sehr simplen aber effektiven Idee: Weniger Kohlenhydrate, mehr gesunde Fette.

Das dies keine Modeerscheinung ist, beweist Dr Eenfeldt anhand einiger sehr unterhaltsam geschriebener Berichte über die wohl bekanntesten Vorreiter dieser Ernährung. Das älteste Beispiel ist

  1. William Banting, war 1863 ein erfolgreicher, wohlhabender und schwer übergewichtiger Bestattungsunternehmer in London. Trotz der akkuraten Befolgung der Ratschläge seiner Ärzte nahm er zu statt ab, wurde depressiv und zog sich immer weiter zurück. Als dann noch Probleme mit den Ohren dazu kamen, suchte er einen Spezialisten auf, der ihm empfahl, Zucker und Stärke zu vermeiden. Wie immer folgte er diesen Anweisungen höchst penibel und das Wunder geschah: Er aß sich satt und nahm ab. Banting schrieb seine Erfahrungen in einer 20-seitigen Broschüre auf und verteilte diese kostenlos. Er wurde bekannt und fand viele Nachahmer. Seine Erfolge übertrugen sich und machten die Runde.  Im Schwedischen bedeutet das Wort „banta“ heute so viel wie „abnehmen“. In Südafrika ist LCHF übrigens direkt unter dem Namen Banting bekannt, dazu aber ein anderes Mal mehr.
  2. Eenfeldts’ zweiter, sehr bekannter Vertreter von Low Carb-Ernährungsweisen istRobert Atkins.  der in den 70er Jahren in den USA, trotz der Anti-Fett-Bewegung eine Kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung progagierte, die schnell in aller Welt bekannt wurde.  Heute gibt es übrigens eine angepasste Version dessen, was Atkins propagierte. Die Ärzte und Low Carb- Ernährungsspezialisten Dr Eric C. Westman, Stephen D. Phinney und Jeff S. Volek haben die Atkins-Diät überarbeitet und neu herausgebracht in dem Buch „A New Atkins for a new you“.
  3. Als aktuelles Beispiel führt Dr Eenfeldt seine Landsmännin Dr. Annika Dahlqvist an, in Schweden die LCHF-Bewegung ganz stark nach vorne treibt und dafür sogar vor Gericht geht. Und das, weil sie selbst nach Jojo-Effekt und immer mehr Gelenkschmerzen auf LCHF bestoßen ist und die Vorteile selbst erlebt.

Im weiteren Verlauf des Themenkomplexes „Vorwärts“ erklärt Endeffekt die Funktionsweisen im Körper, damit man ohne Hunger und schlechte Laune abnehmen kann, und wie die weit verbreiteten Volkskrankheiten durch Kohlenhydrate verursacht werden. Er erklärt, wieso die meisten Menschen durch Kalorienzählen zu- statt abnehmen, wie der Fettstoffwechsel funktioniert und wie Hormone und Insulin diesen beeinflussen. Und warum „Die Genussmethode“ mit viel Fett und wenig Kohlenhydraten den Hunger in den Griff bekommt. All das behauptet Eenfeldt nicht einfach, sondern be- und nachgewiesen durch diverse Studien. Und er listet 21 Studienergebnisse auf, die aufzeigen, bei welcher die Gruppe der fettarme bzw kohlenhydratarme Kost zur besten Abnahme geführt hat. Von diesen 21 Studien wiesen 10 statistisch signifikante Ergebnisse auf, alle bei den kohlenhydratarmen Studien. Lediglich in zwei Studien waren es die Gruppen mit der fettarmen Kost, wobei diese beiden Studien keine statistische signifikanten Ergebnisse aufwies.

Eenfeldt bleibt aber nicht allein bei den Hormonen, sondern zeigt die Zusammenhänge zwischen kohlenhydratreicher Ernährung und den am weitesten verbreiteten Zivilisationskrankheiten (der westlichen Welt) auf: Diabetes, Herz- & Gefäßkrankheiten, Metabolisches Syndrom, Epilepsie, Reizdarm und Krebs auf. Und obwohl er wissenschaftliche Belege anführt, wird es nicht langwierig zu lesen. Eenfeldt versteht es, Fakten und reale Fälle interessant und kurzweilig aufzubereiten.

Einem Faktor, dem im Zusammenhang mit der Fettangst besondere Bedeutung zukommt, widmet sich Eenfeldt intensiver: Dem Cholesterin. Er zeigt noch einmal die grundlegende Bedeutung des Cholesterin für den Organismus auf, geht auf die Unterschiede zwischen dem „guten“ HDL und dem „schlechten“ LDL ein. Auch zeigt er die Aus-Wirkung von Cholesterinmedikenten auf, inklusive dem negativen Einfluss auf das Eiabtes-Risiko. Auch leitet er noch einmal her, wieso Ancel Keys in den 1950ern dem Irrtum aufsitzen konnte, das fettarmes Essen die Lösung der Herzkrankheiten sein sollte.

Mit all den Informationen rückt Eenfeldt das Weltbild der Leser zurück und bezieht sie dann direkt mit ein. Er fordert seine Leser auf, die Low Carb High Fat-Methode auszuprobieren und dann als Beispiel für andere zu dienen. Und das nicht nur, wenn es ums abnehmen und gesund ernähren geht, sondern auch, wenn es darum geht, Ärzte und Ernährungsberater von der neuen alten, gesunden und genussreichen Art der Ernährung zu überzeugen. Denn die besten Reklame sind lebende „Beweise“, deren Gesundung man nachverfolgen und sehen kann.

Wegweiser

Der dritte und letzte Teil des Buches „Wegweiser“ umfasst tatsächlich rund eine Drittel des Buches und reicht dem Leser leicht nachahmbare Tipps zur eigenen Ernährungsumstellung auf:

  • gesunde Nahrungsmitteln, die man essen sollte,
  • ungesunde Nahrungsmitteln, die man meiden sollte,
  • Hinweise für Diabetiker,
  • Umgang mit Beschwerden, die während der Umstellung auftreten können,
  • Tipps und Rezepte für den Einstieg
  • Einkaufslisten für den Einstieg
  • Tipps wie man mit Essenseinladungen oder im Restaurant auf Kohlenhydrate verzichten kann
  • Tipps wie der Lebensmittelvorrat entrümpelt werden sollte,
  • wo versteckte Fallen sind
  • und wo man weitere Informationen erhalten kann.

Ein ganzes Kapitel widmet Eenfeldt dem Thema „Fragen, Antworten und Mythen“. Hier geht er unter anderem auf die Frage ein, wieviele Kohlenhydrate pro Tage benötigt werden, was Ketose ist, wie hoch die Kosten für LCHF sind, was beim Training und Ballastoffaufnahme zu beachten ist. Aber auch, welche Vitamine, Fettsorten sinnvoll sind, Informationen zu Unterschieden zu GI (Glycaemic Index = Glyx-Diät), LCHF, Steinzeiternährung sind und was bei Schwangerschaften, Medikamenteneinnahme und dem Wunsch abzunehmen zu beachten ist.

Den Abschluss bilden die Quellenangaben, in den Eenfeldt die Referenzen genau listet. Ein Stichwortverzeichnis hilft,  bestimmte Punkte noch einmal direkt zu finden.

Fazit: Ein Muss für den Einstieg in LCHF

Schon ganz oben habe ich meine Meinung zu diesem Buch festgehalten: „Köstliche Revolution“ ist ein Buch, dass jeder lesen sollte, der sich mit LCHF beschäftigt. Es ist sehr verständlich, leicht lesbar geschrieben. Eenfeldt zeigt Referenzen aus sehr frühen Zeiten der Ernährungsforschung ebenso auf wie aktuelle, zeigt, warum Missverständnisse entstehen konnten und gibt jedem Leser einfache und sinnvolle Tipps, wie eine kohlenhydratarme Ernährung ausprobiert werden kann. Um so die köstliche Revolution im Sinne des Autors und ihrer Anhänger von der Basis zu starten!

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